NABU Ulm/Neu-Ulm
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  Nisthilfen an der Illermündung
Vogelschutz im Wasserschutzgebiet Rote Wand

Das Wasserschutzgebiet Rote Wand ist ein Auwald an der Illermündung, der nicht öffentlich zugänglich ist. Daher bleiben Tiere und Pflanzen verhältnismäßig ungestört. Seit Jahrzehnten hängen hier schon Nistkästen unserer NABU-Gruppe. Mittlerweile beläuft sich der Bestand auf rund 100 Kästen: Nisthilfen für Meisen, Fliegenschnäpper, Baumläufer, Waldkäuze; auch Fledermäuse und andere Kleinsäuger nutzen ihren Schutz.

Die Kästen müssen jedes Jahr gereinigt werden, damit sie nicht durch eingetragenes Nistmaterial verstopfen. Manchmal finden sich auch noch verlassene Gelege oder tote Nestlinge, die eine erneute Benutzung zumindest aus unserer Sicht unhygienisch machen würden.

Waldkauzkasten, vom Kleiber korrigiert
Der Waldkauz-Nistkasten auf dem Foto wurde zum Beispiel vom Kleiber für seine Maße umgebaut. Das Einschlupfloch ist von etwa 12 cm auf 3 cm verengt. Es befindet sich über der Null, alles andere sind dunkle Flecken.

Außerdem hatte der Kleiber auch alle Ritzen zugeschmiert, die die Vorderwand abnehmbar machen. Der verklebte Lehm war betonhart. Hier käme ein Waldkauz nie mehr zum Zuge. Beim herbstlichen Pflegetermin werden solche Kästen wieder aufgemeißelt, gereinigt und bezugsfertig gemacht.

Die Nistkastenpflege, Reparaturen bzw. der Ersatz von defekten Kästen wurde jahrzehntelang vom Ehepaar Heinkel allein erledigt, die sich auch sonst im Verein sehr engagierten. Heute setzen wir nach Möglichkeit pro Jahr zwei Nistkastentermine an und führen die Arbeiten in einer Gruppe durch, damit der Zeitaufwand überschaubar bleibt. Im Herbst werden die Kästen gereinigt und bei etwa der Hälfte werden die Vorderwände abgenommen. Außerdem wird der Reparaturbedarf festgestellt. Im Frühling, etwa Ende April, werden die defekten Kästen ersetzt oder repariert, und die fehlenden Vorderwände werden wieder eingesetzt.
Nistkasten bezugsfertig machen im Frühlingswald


Foto: Das Einhängen der Vorderwände wird protokolliert, damit wir keinen Kasten vergessen.

Wozu das Entfernen der Vorderwände?

Die Standvögel im Auwald, wie die Meisen und der Kleiber, besetzen ihre Kästen schon im März/April. Die Zugvögel kommen aber erst im April/Mai aus dem Winterquartier zurück. Damit auch sie noch freie Nistkästen vorfinden, machen wir erst zu dieser Zeit die offenen Kästen bezugsfertig, indem die Vorderwände wieder eingesetzt werden. Dieser Plan stammt aus neuerer Zeit. Seit 2008 setzen wir das um, und gleich im ersten Jahr zeigte sich unmittelbar, wie sehr die Zugvögel diese Hilfe brauchen.

Trauerschnäpper, Volierenfoto
An einer Wiese kämpften nämlich bei unserer Frühjahrs-Begehung gerade die frisch aus Afrika eingetroffenen Halsbandschnäpper mit einem ansässigen Kohlmeisenpaar um einen Nistkasten, den die Kohlmeisen schon besetzt hatten. Wir hängten eilig einen der mitgeführten Ersatzkästen auf und hoffen, diesen Streit damit geschlichtet zu haben. Nicht weit davon trafen wir zwei weitere Halsbandschnäpper an, die schon einen Kasten erobert hatten. Sie können sich also auch allein durchsetzen. Aber sicher war es hilfreich, jetzt das allgemeine Nistplatzangebot vergrößert zu haben.

Das Foto zeigt einen Trauerschnäpper. Auch diese Art kommt an der Roten Wand vor und profitiert vom späten Einhängen der Nistkasten-Vorderwände.

erwachsener Siebenschläfer in Meisen-Nistkasten
Nach der Brutzeit, und leider manchmal auch schon mittendrin, besetzen die niedlichen Siebenschläfer häufig Vogelnistkästen. Sie ziehen im geschützten Innenraum ebenfalls ihre Jungen groß. Im Herbst 2007 war fast die Hälfte der Kästen von Siebenschläfern besetzt. Das sehen wir nicht so gerne, aber die jungen Familien lassen wir in diesen Fällen ungestört. Die erwachsenen Tiere (Foto) jedoch drängten wir aus den Kästen und räumten das Nistmaterial aus. In den meisten Jahren sind nur wenige Kästen von Siebenschläfern bezogen.

Gelegentlich schlafen auch Fledermäuse in den Vogelnistkästen und werden bei den Reinigungsarbeiten aufgestört. Sie scheinen die Meisennistkästen ebenso gerne anzunehmen wie die extra aufgehängten Fledermauskästen. Auch das Umgekehrte kommt vor. Beim Herbsttermin 2008 fanden wir in einem Fledermauskasten ein Meisennest. Das Einschlupfloch war ein schmalen Spalt direkt am Kastenboden, und das bedeutet, dass sich die Meise immer ganz unten in den Kasten zwängen musste, um sich dann ca. 15 cm zwischen Wand und Nistmaterial hochzuarbeiten, bevor sie sich endlich oben in die Nestmulde setzen konnte.

Aufmeißeln eines vom Kleiber verklebten Kastens
Fledermäuse in Meisen-Nistkasten
Den Herbsttermin 2008 führten wir zusammen mit der NABU-Kindergruppe durch. Die Fotos oben zeigen die Kinder beim Aufmeißeln eines Nistkastens, den ein Kleiber so fest zugeklebt hatte, dass man ihn am Baumstamm nicht aufbekommmen konnte. Die Kinder hatten schließlich Erfolg - und ausgerechnet dieser Kasten war es, in dem in diesem Jahr Fledermäuse lebten! Die armen Tierchen waren aufgeregt und vom losgemeißelten Kleiberlehm völlig eingestaubt, aber sie hielten sich die ganze Zeit eisern im Kasten fest. Und dann mussten sie noch das Foto abwarten, bevor wir den Kasten wieder verschlossen und an den Baum hängten.

 

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