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Uferzone
Donau, der europäische Fluss
Wasserpflanzen als Bioindikatoren. Herausforderungen, Chancen und Grenzen für die Gewässeroptimierung

Protokoll einer Tagung am 7. Oktober 2004 im Ulmer Stadthaus, veranstaltet von der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg


Themenkreise I und II
"Ökologische und wasserwirtschaftliche Bedeutung der Wasserpflanzen" und "Wasserpflanzen an der baden-württembergischen und bayerischen Donau"
befassten sich mit der Rolle der Wasserpflanzen als Indikatoren für die Wasser- und Gewässerqualität.
Dass Wasserpflanzen überhaupt eine Rolle spielen, wurde in Deutschland lange bestritten, so dass wenige Vergleichswerte aus früheren Zeiten vorliegen. Es gibt noch immer weniger Untersuchungen dazu als zur Rolle von Tieren als Indikatoren, aber der Zustand hat sich gebessert. Inzwischen werden mit Hilfe der Kartierung von Wasserpflanzen belastbare statistische Daten über den Zustand von Gewässern und ihre zeitliche Entwicklung gewonnen.

Mehrere Methoden wurden vorgestellt, die vielen Einzeldaten des Bewuchses zu einer einzigen Klassifikationsangabe für das Gewässer zusammenzufassen. Während bisher die Gewässer vor allem nach ihrem Nährstoffgehalt klassifiziert wurden, verlangt die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Bewertung des Gewässerzustands im Vergleich mit einem Bezugswert. Als Bezugswert eignet sich der Zustand eines Gewässers, das vom Menschen nicht oder so gut wie nicht beeinflusst ist. Solche Referenzgewässer sind heute in Deutschland jedenfalls für größere Flüsse und Seen nicht mehr vorhanden.
Das macht die Bewertung nach der WRRL hier schwierig und etwas willkürlich. Die WRRL verlangt, dass bis 2015 die Gewässer in der EU (mehrheitlich?) mindestens die Bewertung "gut" erhalten sollen.

 
 
Schilf-Ufer
Themenkreis III

"Wasserpflanzen, Ufervegetation und Gewässerentwicklung"
beschrieb konkrete Eingriffe an der Donau und ihren Einzugsgewässern, durch die der Zustand verbessert werden soll.
Die ersten beiden Vorträge waren behördliche und Forschungs- Aktivitäten, die musste ich ausfallen lassen. Die zwei folgenden stammten von Referenten des BUND. Der erste beschrieb, was eine Aue ausmacht: die ständige Veränderung in räumlicher und zeitlicher Dimension, bestimmt durch Hochwässer, Mäandrierung und immer wieder unterbrochene Phasen der Festigung, der Sukzession. Das gibt es in Deutschland praktisch nicht mehr.

Die Donau wurde im 19. und 20. Jh. reguliert und verkürzt und tiefte sich daraufhin durch die erhöhte Abflussgeschwindigkeit stark ein. Seit 1960 wurden viele Staustufen gebaut. Es gibt in Bayern (dieser Vortrag war bayrisch) nur noch drei frei fließende Donauabschnitte, 14, 20 und 70 km (zwischen Straubing und Vilshofen) lang, und für alle drei existieren bereits Ausbaupläne.

Die Stauungen gleichen Wasserstandsschwankungen aus. Normalerweise schwankte der Donau-Wasserstand um 5 m, und dasselbe galt für den Grundwasserstand, da das Grundwasser mit dem Flusswasser in Austausch steht. Nun gibt es nur noch sehr geringe Schwankungen. Daher werden die Auen nicht mehr "gestört", d.h. sie verlieren ihre Dynamik, sie sind eigentlich keine "Auen" mehr. Die durch die ständige Fluktuation immer wieder neu entstehenden Pflanzengesellschaften festigen sich und die Sukzession zu einem stabilen Endstadium verläuft ungestört. Die Auen bewegen sich zum Endstadium "Hartholzaue" hin.

 
 
Steilufer
Dieser Prozess verläuft jetzt seit etwa 200 Jahren. Seit 1841 bis 2000 sind von knapp 600 verzeichneten Pflanzenarten der Auen rund 60 verschwunden. Dennoch ist die Bewertung der Donau in Bayern unter Naturschutzaspekten heute noch ganz gut. Aber in Bezug auf die Fluss-Struktur ist die Bewertung schlecht. Die deutsche Donau ist fast durchgehend Natura-2000-Gebiet und müsste daher renaturiert werden. Zumindest ist zu fordern, dass die Referenz für die Bewertung im Sinne der WRRL ein unverbauter Großfluss sein muss. Die Bewertung "gut", die die WRRL fordert, könnte man dann nur durch größere Rückbaumaßnahmen am Flusslauf erreichen.

Im zweiten Vortrag wurde dargestellt, dass mangels Geld gegenwärtig an der Donau in BW keine größeren Strukturverbesserungen vorgenommen werden können (wurde allerdings mit kleinem Fragezeichen versehen, denn "der Topf für Hochwasserschutz ist noch ganz gut gefüllt"), aber immerhin sei in den letzten 20 bis 30 Jahren die Wasserqualität erheblich besser geworden.

An den Donauzuflüssen gibt es im Gegensatz zur Donau selbst aber viele Verbesserungsprojekte, die ehrenamtlich und mit Zuschüssen oder Sponsorengeldern zerstörte Strukturen wieder herstellen: begradigte Bäche werden renaturiert oder wieder freigelegt, Überschwemmungsflächen ausgedeicht u. ä.

Durch Veröffentlichungen, Bildungsarbeit und auch Lobbyarbeit können die Ergebnisse vermutlich noch verbessert werden.

Die Dokumentation zu dieser Tagung ist inzwischen erschienen. Nähere Informationen auf der Seite der Umweltakademie Baden-Württembergs (Beiträge der Umweltakademie, Band 40)

Wiltrud Spiecker, Ulm, 9. Oktober 2004
 

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