NABU Ulm/Neu-Ulm
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Reisen nach Absurdistan

So was soll Naturschutz sein?
Wir sammeln hier Zeitungsmeldungen und andere Veröffentlichungen zu Plänen und Ereignissen, die eigentlich eine Verhöhnung des Naturschutzgedankens darstellen, obwohl sie z. T. unter dem Deckmantel des Naturschutzes daher kommen. Der Schwerpunkt soll regional sein, aber guter überregionaler Schwachsinn ist auch willkommen. Falls Sie selbst auf geeignete Meldungen stoßen - bitte mitteilen ! Wir wollen aber seriös bleiben: also immer die Quelle angeben.

Die Meldungen innerhalb einer Rubrik sind zeitlich geordnet, die aktuellste zuerst.
Regionales
Überregionales
Dauerbrenner


  Regionale Meldungen

"Demütig gegenüber der Natur" wollte Freiherr Constantin von Ulm-Erbach sein und lässt eine opulente Feriensiedlung ans Ufer seines Baggersees in Erbach bauen. Niedrigenergiehäuser werden es, jedes mit Steg in den See. Die Ehrfurcht gegenüber der Natur dokumentiert sich in einer Anzahl von Auflagen, die die künftigen Bewohner zu befolgen haben. Diese betreffen vor allem die Fassaden- und Gartengestaltung. Außerdem ist ein Campingplatz geplant. Im Laufe der Jahre 2008/09 wird die Anlage gebaut (Südwestpresse 25. 7. 2007).

Schilfzone am See
Dieser See war bisher weitgehend der Natur vorbehalten. Naturschützer brachten dort mit Erlaubnis des Freiherrn jeden Sommer Brutflöße für Fluss-Seeschwalben aus. Auf solche Nisthilfen sind die Seeschwalben in unserer Heimat heute angewiesen, weil sie nicht mehr genügend natürliche Kiesinseln zum Brüten vorfinden. Die Flöße auf dem Erbacher Badesee wurden sensationell gut angenommen, bis zu 35 Paare zogen hier jeden Sommer ihre Jungen groß. Dieses Idyll endete 2007. Ab 2008 mussten sich die Seeschwalben einen anderen Platz suchen oder auf eine Brut verzichten. Der See wird zum reinen Freizeitsee. Auch die letzten drei Paare Drosselrohrsänger am Schilfufer werden verschwinden. Die letzten im gesamten schwäbischen Donauraum, wohlgemerkt.

Klettergarten bei Weißenhorn Bei der Baugenehmigung für diese Sportanlage gab es Probleme. Geplant war sie in der Nähe der Kläranlage Oberhausen, doch das vorgesehene Grundstück gehört zu einem geschützten Biotop. Dem Landratsamt war die Anlage nicht so wichtig, dass für den Bau eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden könnte. So wurde eine andere Lösung gesucht und man plante den Bau des Klettergartens an einem unter Naturschutz stehenden Hang (Südwest-Presse 24. 1. 2007) !
Im Juli 2007 wurde der Klettergarten eröffnet. Er befindet sich jetzt in einem Pappelwald bei Wallenhausen, das Naturschutzgebiet wird nicht berührt.


  Überregionale Absurditäten

Mehlschwalbe
Mehlschwalben am Reichstag ! Naturschutz am Haus ist Bürgerpflicht: Nester an der Hauswand stehen unter Naturschutz und dürfen nicht entfernt werden. Das hat der Gesetzgeber so beschlossen und Gerichte haben es durchzusetzen. Aber wenn es sich um Schwalbennester am Reichstag handelt, und gar noch über dem Osteingang, durch den die Gesetzgeber das Haus betreten? Dann genehmigt man sich doch lieber eine Ausnahme und lässt die Nester abschlagen (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2./3. Juni 2007).
Dem Laien erscheint es strafmildernd, dass die Nester nicht besetzt waren. Nichtsdestoweniger ist die Vernichtung von Nestern verboten, da sie nochmal benutzt werden könnten - von demselben Gesetzgeber, der sich hier eine Sondererlaubnis erteilt hat. Es nisten nur noch wenige Schwalben am Reichstag. Sollte man nicht eigentlich stolz darauf ein und sich bemühen, mehr anzusiedeln? .

Auwald
"Kettensägenmassaker" an der Elbe: Hier wurden auf einem rund 25 km langen Uferstreifen der nach europäischem und deutschem Recht geschützten Elbtalaue Pappeln und Weiden gefällt, weil sie angeblich den Hochwasserschutz gefährdeten. Der Umweltminister Niedersachsens, Hans-Heinrich Sander, sägte zum Auftakt persönlich eine Weide ab und verstieß damit gegen das Umweltrecht, das von seinem Ministerium eigentlich durchgesetzt werden soll. Die Bäume stellten jedoch einem Gutachten zufolge gar keine erhöhte Gefährdung dar. Nach einer Meldung in der "tageszeitung" vom 4. April 2007 hat inzwischen die EU-Kommission ein Verfahren wegen Vertragsverletzung gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. (Quelle: ständige Berichterstattung seit Winter 2006/07 in verschiedenen Tageszeitungen)

Überregionaler Link zu überregionalem "Absurdistan": Klima-Lügendetektor.

  Absurde Dauerbrenner
Die sind überregional, und es gibt noch viel viel mehr.

Kormoranabschuss in Schutzgebieten

Ist es mit dem Naturschutz vereinbar, geschützte einheimische Wildvögel in Vogelschutzgebieten abzuschießen? Der Gesetzgeber meint: "Ja.". Wie kommt es zu so widersinnigen Entscheidungen?

Leider steht in Naturschutzgebieten der Naturschutz nicht automatisch an erster Stelle. Es gibt auch hier konkurrierende Interessen. Angel- und Jagdverbände werden vom Gesetzgeber als Naturschutzorganisationen anerkannt, obwohl ihr Hauptzweck in der Nutzung natürlicher Ressourcen besteht. Kein Zweifel, unter bestimmten Umständen treten Jäger und Angler tatkräftig für den Naturschutz ein, aber für sie steht fast durchweg das Ziel im Vordergrund, für das eigene Hobby genug Beute vorzufinden.

Kormorankolonie Foto: Rolf Juergens/NABU
Nur so ist zu verstehen, dass der Gesetzgeber bereit ist, auch in Natur- und Vogelschutzgebieten Beutegreifer abschießen zu lassen, wenn auf deren Beute auch der Mensch scharf ist. Während Luchse, Wölfe und Fischotter heute so selten sind, dass es bisher noch keine Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss gegeben hat (anders als bei Problembären), sind Abschussgenehmigungen z.B. bei Kormoranen ohne weiteres üblich. Kaum sind sie von der Liste der vom Aussterben bedrohten Vogelarten gestrichen, fordern die Fischer bereits ihre "letale Vergrämung" (= tödliche Verscheuchung, sprich: Abschuss), und das nicht nur an normalen Gewässern, sondern überall, auch in Vogelschutzgebieten. Und die Behörden genehmigen das! Zum Teil darf sogar während der Brutzeit geschossen werden. Unvergessen sind die Fotos ausgeschossener Kormorannester in einer Brutkolonie in einem mecklenburgischen Naturschutzgebiet 2005 (nur für starke Nerven).

Wie das Problem in Baden-Württemberg gehandhabt wird, sehen Sie hier. Es erinnert ein bisschen an ein Katzenhasser-Forum, umgeschrieben auf Kormorane.

Wohlgemerkt - es handelt sich um eine geschützte Vogelart (Kurzportrait)! Sie gefährdet den Naturhaushalt nicht, die Vögel wollen lediglich sich und ihre Brut ernähren. Angler sind dagegen so wenig an der Nutzung der Fische interessiert, dass sie diese früher oft - mit zerrissenem Maul und halb erstickt - nach dem Wettangeln wieder ins Wasser zurückgeworfen haben, bis das aus Tierschutzgründen verboten wurde. Jetzt müssen sie eine vernünftige Verwendung der Fische nachweisen.

Fischer und Angler begründen ihren Wunsch mit der Behauptung, die fischfressenden Vogelarten würden gefährdete Fischarten lokal ausrotten. Tatsächlich liegen die Gefährdungsursachen woanders. Das Wasser in Flüssen und Bächen ist zwar fast überall wieder ausreichend sauber, aber Wehre und andere Barrieren hindern viele Fischarten an der Wanderung in ihre Laichgebiete. Außerdem fehlen Flachwasser-Bereiche mit Pflanzenbewuchs, in denen die ablaichenden Fische, deren Eier und Jungfische Deckung finden. Das ist nicht unbedingt die Schuld der Angler. Aber um den Fischen zu helfen, sollten sie sich lieber auf die Verbesserung der Gewässer konzentrieren statt fiktive Horrorszenarien gegen Kormorane zu entwerfen.

Gelegentlich gibt es aber Regelungen, die eine gewisse Einsicht beweisen. So erteilte das Regierungspräsidium Freiburg 2006 (im Gegensatz zu der Entscheidung von 2008) eine "Ausnahme"-Genehmigung zum Kormoran-Abschuss, die es in sich hatte: Denn zugleich wurde .in den betreffenden Gewässern das Fischen der gefährdeten Fischarten ebenfalls verboten. (Quelle: NABU BW, Jahresbericht 2006, S. 2).

Natürlich fischen Kormorane überall, wo es sich lohnt, und machen dabei keinen Bogen um Teichwirtschaften. Hier kann man das Interesse der Eigentümer verstehen, eine Beeinträchtigung des Ertrags zu verhindern. Der NABU hat den Kormoran zum "Vogel des Jahres 2010" gewählt, um das "Kormoranproblem" ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und mit neuer Energie einvernehmliche Lösungen zu suchen. Wie schwierig das ist und wie festgefahren die Meinungen, dazu schaut man am besten in die vom Kormoran-Team des NABU eingerichteten Seiten. Da geht es hoch her!

Aus diesen Seiten stammt ein interessanter Link zu Vergrämungsmethoden außer Abschuss (mit Daten bis 1996).


Biokraftstoffe

Pflanzen bauen ihre Biomasse aus Kohlendioxid und Wasser auf, und wenn sie verbrannt werden, setzen sie genau diese Mengen an Kohlendioxid und Wasser wieder frei. Daher gelten "nachwachsende Rohstoffe" als klimaneutral, also "gut". Aber hier werden viele Nebelkerzen geworfen! Vieles wird versprochen, aber viel auch erlogen und zurechtgebogen.


Der NABU befürwortet im Prinzip die Nutzung erneuerbarer Energien, aber man wird im Einzelfall so irreführend informiert, dass man ohne Nachdenken eigentlich nur eine einzige Methode empfehlen kann: das konsequente Energiesparen. Hier können Sie ein Infoblatt (PDF) herunterladen (aus http://www.kolumbien-aktuell.ch), in dem zweifelhafte Vorgänge rund um "nachhaltige Palmölplantagen" und "umweltfreundliche" Energiegewinnung aus Soja und Mais zusammengetragen sind. Sehr informativ sind auch die Seiten der Organisation Rettet den Regenwald. Aus diesen Quellen stammen die beiden angeführten Beispiele.
1. Wieviel Kohlendioxid wird durch den Anbau von tropischen Energiepflanzen gespart?
Wenn Wälder abgebrannt werden, um Palmölplantagen anzupflanzen, dann verursacht die Verbrennung eine so hohe Kohlendioxid-Ausstoß, dass er die Vorteile der Palmölproduktion auf Jahre hinaus zunichte macht. Das Kiotoprotokoll erkennt Palmölplantagen als Kohlendioxid-Senken an und betrachtet sie automatisch als klimafreundlich - damit zeigt es sich aber blind für die "Vorgeschichte" der Plantagen.
2. Wer setzt die Maßstäbe fest, nach denen die Produktion von Energiepflanzen umweltverträglich ("nachhaltig") ist?
In Gremien, die die "Nachhaltigkeit" der Produktion von Palmöl u.a. definieren, sitzen meist auch Vertreter von Großkonzernen, die die merkwürdigsten Bestimmungen durchsetzen können. So darf Palmöl unter Verwendung des hochgiftigen Totalherbizids Paraquat produziert werden, und noch immer gilt der Anbau als "nachhaltig".

Weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite.
Zum umweltschonenden Anbau von Biomasse informieren Sie sich hier.

 

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